Geschichte
Entstehungsgeschichte des
Handwerksmuseums in Kork
von Helmut Schneider
Vorgeschichte
Anlass einer Museumsgründung in Kork war mein Ausscheiden nach 35- jähriger Tätigkeit im Hanauer Museum in Kehl, dessen ehrenamtlicher Leiter ich 10 Jahre, bis 1991 war. Für diese Gesamtleistung erhielt ich 1992 die Verdienstmedaille der Bundrepublik Deutschland. Neben anderen zahlreichen Ausstellungen hatte ich dort mit dem Fachbereichsleiter Holz des Ausbildungszentrums Bühl, Herrn Bächle, unter Mitwirkung der Zimmererinnung Kehl-Hanauerland eine Fachwerkausstellung mit 22 Modellhäusern unserer Fachwerkhaustypen ins Leben gerufen, die mit einem Zunftfest auf dem Platz der Christuskirche, mit Vorführungen eröffnet wurde. Nach meinem Weggang aus Kehl 1991, wurden von meinem hauptamtlichen Nachfolger die Modelle in das Gerümpelmagazin im Hof ausgelagert, wo sie der Feuchtigkeit ausgesetzt waren und verschimmelten.
Da das Ausbildungszentrum größten Wert auf die Präsenz der von Auszubildenden in ca. 5000 Arbeitsstunden geschaffenen Modelle legte, und ich der Initiator davon war, musste ich handeln. In einem Gespräch erklärte ich OB Prößdorf, dass es zwei Möglichkeiten gäbe:
a) das Ausbildungszentrum, mit dem ich die Vereinbarungen getroffen hatte, nimmt die Modelle zurück, sie waren damals noch deren Eigentum. (Heute sind sie Eigentum des Handwerksmuseums)
b) Ich bemühe mich die Modelle in Kork provisorisch auszustellen, damit sie der Stadt erhalten bleiben. Dies wurde so von OB- Prößdorf gewünscht.
Ich hatte zusammen mit Albert Haag zunächst das alte Rathaus im Visier. Das städt. Bauamt hatte für den Dachausbau schon Pläne vorbereitet. Da es jedoch unabsehbar war, wann und ob die restlichen Räume zur Verfügung stehen würden und es uns außerdem für weitergehende Pläne zu klein schien, hatten wir bald die alte, unter Denkmalschutz stehende Brauerei dafür ausgemacht, die seit über 25 Jahren leer stand und vergammelte. Ortsvorsteher Karch bot uns darin einen Raum im ersten Obergeschoss an, aber nur zur provisorischen Unterstellung der Modelle. Unterstellen war jedoch nicht mein Plan. Ich wollte ausstellen und zugänglich machen. Ich hatte auch das Ziel vor Augen, für Kork mehr Zentralität zu schaffen. Ein Museum mit viel Öffentlichkeit, besonders überörtlich, erschien mir der richtige Ansatz. Ich hatte ja schon viel Museums-erfahrung, auch für den didaktischen Aufbau.
Anfang 1993
Dafür bot sich ein Saal im ersten Obergeschoss an, der groß genug und über eine Treppe direkt zugänglich war. Sein Zustand war jedoch, wie der des ganzen Gebäudes, mehr wie desolat. Eine Unmenge Gerümpel, das sich in einigen Jahrzehnten angesammelt hatte, es waren mehrere Großcontainer voll, war auszuräumen. Außerdem waren noch nachträglich eingefügte provisorische Trennwände zu entfernen. Ohne Hilfe war dies für mich nicht zu bewerkstelligen.
Kurzerhand fragte ich meinen Nachbarn, Herrn Walter Tischler, damals ein rüstiger Siebziger, ob er keine Lust hätte, mit mir ein „kleines“ Museum einzurichten. So kam es, dass wir bald mit weiteren Helfern werkelten, Wände verputzten und tapezierten, den Fußboden abschliffen und das Treppenhaus restaurierten.
Damit hatten wir einen Fuß in der Tür des Gebäudes und konnten ausstellen. So nahm alles seinen Anfang
Albert Haag, obwohl noch lange mit den Pflichten eines Unternehmers gebunden, hat uns immer mit Rat und Tat unterstützt und auch seine Maschinen und Fahrzeuge zur Verfügung gestellt. Wo es notwendig war, griff er uns auch mit seinen Fachkräften unter die Arme.
Helmut Roth half ebenfalls nach Kräften mit und verwaltete unsere Kasse, die damals sehr spärlich war. Manches finanzierten wir aus eigener Tasche.
Helmut Gabelmann, Elektromeister sorgte für Elektrizität und Effekt-beleuchtung, anfangs noch mit geschenkten Leuchten. Die gesamte Elektro-installation wurde von ihm gemacht.
Dr. August Brandau hat uns gegenüber der Stadt und dem Oberbürgermeister durch Fürsprache unterstützt.
Im Juni 1993 konnte dann mit einer Feier im Foyer der Halle die Eröffnung der Fachwerkausstellung unter Anwesenheit von ca.100 Personen und viel Prominenz gefeiert werden. Die Ausstellung fand großen Anklang. In meiner Ansprache erklärte ich, dass es noch viele solcher Räume in diesem Gebäude gäbe die hergerichtet werden könnten. Das zuletzt als Essigfabrik dienende Gebäude stehe ja völlig leer und verfalle. In seiner Erwiderung bezweifelte OB Prößdorf damals wegen der Kosten eine Realisierung: „Es würde mindestens 4 Millionen kosten, wir haben es untersuchen lassen.“ Wer konnte es Herrn Prößdorf angesichts dieser von der Ortschaft Kork über Jahre vernachlässigten Ruine mit Dach verübeln, dass er so reagierte. Sollte das also schon der Anfang vom Ende unsere Pläne für ein Museum sein?
Echte Perspektive
Doch es tat sich bald eine Perspektive auf, die der Stadt und auch uns dienlich sein würde. Die Städte waren in den 90er verpflichtet, für gemeinnützige Arbeiten Arbeitslose einzusetzen. Bürgermeister und Baudezernent Jörg Armbruster, bestärkte mich darin, in diesem Gebäude eine solche Maßnahme durchzuführen. Das Arbeitsamt bezahle für die ABM-Kräfte bis zu 75%der Löhne. Die Stadt würde die restlichen 25% zulegen. Das benötigte Baumaterial würde die Stadt bezahlen. Es war ja auch ihr Bau. Für uns der entscheidende Durchbruch zur Schaffung eines Museums in Kork, für die Stadt die beste Gelegenheit, von einer unter Denkmalschutz stehenden Bauruine kosten- günstig weg zu kommen. (Abriss und Entsorgung hätten Hunderttausende gekostet,- für Nichts.) Eine glückliche Symbiose für beide Seiten.
„Aber es wird einiges von Euch abverlangt werden“, so prophezeite Armbruster. Dass sich dies zu einer 10-jährigen Arbeit, von morgens halb acht bis abends halb fünf auswachsen würde, wusste damals keiner von uns. Es war eine absolute, tägliche Vollzeitbeschäftigung. Im Nachhinein betrachtet, war es meine beste Lebenszeit nach der Pensionierung, und noch im Vollbesitz der Kräfte. So kam aber ein Raum zum anderen.
Erste Schritte auf dem langen Weg
Anfangs durften wir uns auf Anordnung der Korker Ortsverwaltung nicht Museum, sondern nur Sammlung nennen. Die Stadt würde keine zwei Museen dulden, so die Begründung. Eine totale Verkennung der bereits im Gange befindlichen Maßnahmen, bis dann OB Prößdorf auf einer öffentlichen Veranstaltung von den zwei Kehler Museen sprach. Damit war allen Gegnern und Ängstlichen der Wind aus den Segeln genommen. Ein Meilenstein für uns. Und nun ging es richtig los. Noch im Herbst 1992 war es aufgrund eines städtischen Zuschusses möglich, eine Zwischendecke im heutigen Wagnerraum einzuziehen. Zuvor war am 1. Nov.1992 die Lesegesellschaft 1821 Kork e. V. als gemeinnütziger Trägerverein im Korker Rathaus wieder ins Leben erweckt worden, um dem Zuschuss eine Adresse zu geben.
Gründer der Lesegesellschaft waren:
Dr. August Brandau
Georg de Frénes
Gisela Fässler
Albert Haag
Werner Huck
Max Herrel
Eva Krieg
Ernst Karch
Peter Karcher
Helmut Schneider
Hans Steurer
Der Wagnerraum war ursprünglich vom Erdboden bis zur Decke im ersten OG, also über 2 Stockwerke, durchgehend offen. Wir machten zwei Geschosse daraus. Die Fa. Haag bekam von der Stadt den Auftrag die Balken einzuziehen. Um die Räume auf den einzelnen Stockwerken untereinander zu verbinden, schlugen Herr Tischler und ich von Hand zwei Türdurchgänge in die z. T. 60 cm dicken Wände. Eine fürchterliche Schinderei!
Beginn der Gebäudesanierung 1994 im 1. OG.
In diesem Jahr bekamen wir dann 4 ABM- Kräfte zugeteilt. Zuerst begann das große Aufräumen. Das Gerümpel, welches sich im Verlauf von Jahrzehnten im Gebäude angesammelt hatte, füllte mehrere Großcontainer. Der heutige Uhrenraum im ersten OG war ebenfalls zwei Stockwerke hoch. Er war ein Stockwerk hoch mit Balken und Gerümpel vollgefüllt.
Es war lebensgefährlich, es auseinander zu ziehen. Um nicht über das Treppenhaus entsorgen zu müssen, schlugen wir ein Loch in den damals noch vorhandenen Fahrstuhlschacht und „transportierten“ so nach unten. Dann war die Firma Haag beauftragt, eine Balkendecke mit unserer Mithilfe einzuziehen. So gewannen wir zwei Etagen. Oben sollte die WC- Anlage und der Treppendurchgang als Raum für die Wirtshausschilder entstehen. Eine interne neue Treppe von der Fa. Haag als Auftrag hergestellt, verband dann die beiden Etagen miteinander. Wagner- und Küferraum erhielten neue Fußböden und Decken, mit Isolierung. Alle Wände wurden mit Spanplatten verkleidet. Im Uhrenraum und im Saal für Sonderausstellungen wurden die alten Plattenböden restauriert. Beide Räume erhielten ebenfalls isolierte Decken Alle Wände wurden auch hier zur Isolierung mit Spanplatten und Hohlkammer zur Außenwand verkleidet. (Beste Isolierung)
Ausbau des zweiten Obergeschosses 1995
Hier waren nicht weniger Schwierigkeiten vorhanden wie im ersten Geschoss. Die vorhandenen Leichtbauwände ließen wir stehen. Wir mussten nur Durchgänge schaffen und auf heutige Breite bringen. Somit waren die
einzelnen Räume zwar offen, aber doch in sich abgeschlossen für die einzelnen Abteilungen. Der Spinnerei- Raum war ein besonderes Beispiel dafür, wie man seitens der Ortschaft dieses Gebäude vernachlässigt hat. Jahre zuvor schon war das Storchennest auf das Dach gestürzt und hatte ein großes Loch in die Dachfläche geschlagen. Es wurde nicht mehr geschlossen. Das Gebäude war ja von der Ortschaft zum Abriss verurteilt. Andere Ideen gab es seitens des Ortschaftsrates keine. Durch Regen und Schnee waren die Deckenbalken in der hinteren linken Ecke verfault und mussten ersetzt werden. Die Decke wurde danach isoliert und die Wände mit Spanplatten verkleidet. Der Raum erhielt einen neuen Fußboden. Die beiden Räume, Spinnerei und Trachten, waren ursprünglich ein Raum. In der Mitte standen tragende Holzstützen, die wir beidseitig mit Spanplatten verkleideten. So entstanden zwei Räume. In den Hohlraum, der sich durch die Stützen ergab, bauten wir zum Trachtenraum hin Vitrinen ein. Eine elegante Lösung. Alle Decken wurden dort ebenfalls isoliert und mit feuerhemmenden Fermacell- Platten versehen.
Ein vorstehender Kamin im Blaudruckraum wurde bündig verkleidet und in den entstehenden Hohlraum ebenfalls die Vitrinen eingebaut. Alle Vitrinen wurden selbst hergestellt. Der Verfasser beschäftigte sich in seinem Berufsleben mit solchen Dingen, so dass die erforderlichen Vitrinen, gleich welche Form es war, für uns kein Problem waren.
Mit der Fertigstellung des 2. OG wurde auch eine Heizung eingebaut, die Stadt hatte uns einen alten Kessel zur Verfügung gestellt. Die Leitungen verlegten wir selbst. Die schrecklichen Provisorien konnten wir nun vergessen Wir heizten ja zuerst mit einem Propangasheizer, welcher uns die Luft verpestete und kaum wärmte
Neben den Ausbauarbeiten wurde von mir fleißig gesammelt und restauriert. Alle heute so schön aussehenden Exponate waren rostig, verwurmt und unansehnlich. Sie auf heutigen Glanz zu bringen war wirklich eine große Leistung, auch unserer ABM-Kräfte. Besonders unser Russlanddeutscher, Jakob Neubauer, erwies sich als wahrer Tüftler. Mit Feingefühl und großer Geduld hat er, von Holzteilen bis zu den Turmuhrwerken, alles auf Hochglanz gebracht. Alle anderen ABM Kräfte haben sich ebenfalls voll eingebracht. Mit guter Anleitung waren auch berufliche Schwächen zu überbrücken.
1996 Bibliothek und WC
In diesem Jahr nahmen wir uns im Wesentlichen dem Ausbau der Bibliothek des Historischen Vereins an, den wir als starken Partner hereingenommen hatten, weil die Ortschaft nie richtig hinter uns stand, sowie der immer dringlicher werdenden WC- Anlage. Bei letzterer wurden 2 dem Mauerwerk vorgeblendete Leichtbauwände erstellt, um die auf der Wand liegenden Installationen zu verbergen. Diese gesamte Arbeit, einschließlich der Fliesenverlegung, wurde auch in eigener Regie mit unseren ABM- Kräften geleistet. Die WC-Trennwände wurden durch die Stadt beschafft. Im Bibliotheksraum zeigten sich große Schäden an den tragenden Unterzügen. Beide Balkenauflagen waren an der Außenwand zum Friseur hin abgefault und hatten keine Tragfähigkeit mehr. Über Jahre war hier Wasser durch ein undichtes Dach in das Mauerwerk eingedrungen. Die Unterzüge wurden beiderseitig mit Leimbindern versehen und mit durchgehenden Schrauben verschraubt. Das gleiche geschah mit den Stützen. Die gesamte Verstärkung wurde so angelegt, dass eine spätere Belastung und Nutzung des Dachgeschosses möglich waren. Auch hier wurden die Decken isoliert und ein neuer Fußboden eingezogen, sowie die Heizung installiert. Damit war der Raum nutzbar. Die Regale hat die Firma Haag auf Kosten des Historischen Vereins ausgeführt, die Leimbinder im Auftrag der Stadt.
Freiwillige Sanierung des Kellers zum Jugendzentrum 1997
Es ergab sich in Kork die Notwendigkeit einen Jugendraum einzurichten. Der Gewölbekeller des Gebäudes bot sich dafür an, zumal dies eine weitere Nutzung des Hauses bedeutete. Tücke des Objekts war nur, dass die Kellerräume, entsprechend den Vorschriften, zu niedrig waren. Um Kosten für die Tieferlegung des Bodens zu sparen, es ging nur durch Handausschachten, erboten wir uns bei der Stadt, mit unseren ABM- Kräften und unter unserer Regie diese Arbeit durchzuführen. Wir ahnten nicht, was da auf uns zukommen würde. Es wurde die Arbeit für das ganze Jahr 1997.
Bei den Ausschachtungsarbeiten, 70 cm tief, kamen unter dem Lehmboden dicke, alte, Betonschichten zutage, die mit dem Kompressor tagelang mühselig herausgeschlagen werden mussten. Außerdem stellte sich heraus, dass die Gebäudefundamente nicht so tief reichten. Wir mussten deshalb, um die Standfestigkeit des Gebäudes nicht zu gefährden, immer auf jeweils 1,10m Länge das 60 cm dicke Gebäudefundament untergraben, auf erforderliche Sohlentiefe ausschachten, dann verschalen und mit Beton verfüllen (auf 1,10 Meter = 11 Schubkarren voll) Insgesamt 44 Meter Fundament wurden so unterfangen. Bei diesen Operationen, Kellerboden und Fundamente, wurden insgesamt 120 Kubikmeter Aushub von Hand aus dem Keller geschafft. Dabei wurden 35 Tonnen Kies und 191 Sack Zement zu 485 Schubkarren Beton angemacht, von Hand in den Keller geschafft und verfüllt.
Doch damit noch nicht genug. Es ergab sich, dass der Stahlunterzug unter der Decke zu schwach war und nur der Hälfte der erforderlichen Werte heutiger Norm entsprach. Die Rundstützen saßen nur auf einem Haufen vermörtelter Sandsteinbrocken und einer kleinen Fußplatte. Außerdem waren auch die Stützen selbst zu schwach. Immerhin sitzt das ganze 4-stöckige Gebäude darauf. Nach Angaben des Statikers wurden zunächst 2 Armierungskörbe aus je 400 kg Rundeisen, 1.80x 1,80m groß, hergestellt und in die ausgehobene Fundamentgrube gelegt. Der Raum musste vorher mit Stockwinden und schweren Holzstempeln abgestützt werden. Beiderseits der beiden Rund- stützen wurden zur Verstärkung je zwei Doppel T- Stützen aufgestellt und das Ganze ausbetoniert. Der Unterzug wurde durch beiderseitige U- 200, Länge je 11m, verstärkt. Es war 1 Jahr Arbeit für 5 Mann. Unsere ABM-Kraft Willi Lehr, Maurer aus Leutesheim, hat uns bei der Gebäudefundamentierung als Fachkraft wertvolle Hilfe geleistet. Er ist leider eine Woche vor Ende der Bauarbeiten zu Hause an einem Herzinfarkt gestorben.
Für diese gewaltige Arbeit, man schätzt die Kosten auf eine hohe 6-stellige Summe, wir haben ja auch den kompletten Innenausbau dazu gemacht, bekamen wir von der Stadt 26.000 DM zur Verfügung gestellt. Damit haben wir die sehr teueren Fischpräparate von einem Fachmann machen lassen. Die Dekoration der zugehörigen Landschaften wurde von uns in fast einjähriger Arbeit selbst gemacht. Damit haben wir eine Fischereiabteilung die es weit und breit nicht gibt. Die Stadt hat aber auch einen kostengünstigen Jugendraum und eine weitere Nutzung. Das Gebäude ist nun auch standsicher.
Das dritte Obergeschoss 1998
Im Fischereiraum waren erhebliche Stabilisierungsarbeiten zu leisten. Durch frühere Eingriffe in die Bausubstanz, es wurden beispielsweise alle Zwischendecken im daneben liegenden, nachmaligen Atelier Krieg heraus- genommen, entstand ein über drei Stockwerke hoher Raum, der den ganzen Dachstuhl destabilisierte. Der Dachstuhl war schon immer das schwächste Glied im Gebäude Es mussten deshalb im Fischereiraum Streben erstellt werden, die mit der hohen Atelierwand und den Decken- und Fußbodenbalken verschraubt wurden. Auch in der Mitte des Raumes waren Verstrebungen und Stützen neu zu stellen und mit den Balkenlagen zu verschrauben. Sie sind durch Verkleidungen dann zu Wandflächen geworden, die wir nutzen konnten Die alten Unterzüge wurden noch beidseitig, als Auftrag an die Fa. Haag, mit Leimbindern verstärkt, damit bei einem späteren Dachausbau die Tragfähigkeit gegeben war.
Zwischen den Dachsparren in den Dachschrägen wurden Pressplatten eingelegt, um eventuelle kleine Undichtigkeiten des Daches von der darunter eingelegten Isolierung fernzuhalten. Die ganzen Decken wurden dann mit feuerhemmenden Fermacell- Platten verkleidet.
Auf den senkrechten Kniestockwänden wurde ebenfalls zur Stabilisierung des Daches eine leichte Fachwerkkonstruktion aufgeschraubt, die später mit Spanplatten verkleidet wurde. Die ganzen Räume erhielten neue Holz-Fußböden. Auch der Malerraum erhielt zur Dachstabilisierung ebenfalls zwei Streben. Eine schöne Stuckdecke, in Eigenregie gemacht, vollendete den Raum. Als letztes bauten wir die selbst hergestellten Vitrinen ein.
Der Epilepsieraum hatte in der linken hinteren Ecke die größten Schäden durch den Storchennest- Absturz aufzuweisen. Dort musste das Dach repariert und eingedeckt werden. Die Fußbodenbalken wurden erneuert. Ansonsten fielen dieselben Innenarbeiten an wie im Fischereiraum. Durch Einbau von Vitrinen wurden Raumteilungen erreicht.
Der Radioraum (heute Nähmaschinenraum, der Besitzer der Radios wollte sein Eigentum zurück) war eine besondere Spezialität. Hier befand sich ein einsturzgefährdetes großes rechteckiges Kuppelgewölbe. Wir mussten es mit handwerklicher Umsicht vorsichtig rundum, Stein für Stein, gleichmäßig abtragen, um zu verhindern, dass es einstürzt. Es fiel dabei containerweise Schutt an, der über eine Rutsche nach unten geschafft werden musste. Danach wurde eine neue Holzbalkendecke eingezogen und die Wände mit Spanplatten verkleidet, sowie ein neuer Holzboden verlegt.
Erdgeschoss 1999
Der vorläufig letzte Akt war der Ausbau des Raumes im Erdgeschoss. Hier waren die Decken das Problem. Sie besteht aus Stahlträgern und Deckensteinen, die in verschiedenen Richtungen verlegt waren und unschön wirkten. Ein Lattenrost mit Fermacell- Platten darunter ließ alles verschwinden. Auch die vorhandenen Stahlträger wurden so feuergeschützt verkleidet. Der Einbau von Vitrinen war der Schlussakt. In diesem Raum entstand die Ortsgeschichte und vorrübergehend eine Spielzeugabteilung. 2025 wurde die Spielzeugabteilung in das 2. Dachgeschoß verlegt und in dem Raum eine Ausstellung über das Leben und Wirken Helmut Schneiders installiert.
Im gesamten Bau war die Elektroinstallation herzustellen (ebenfalls vollkommen ehrenamtlich). Es wurden ca. 2000m Kabel verlegt. Türstürze waren einzubauen und alle Stützen und Träger wurden feuerhemmend verkleidet.
Dachgeschoss 2006 / 2007
Diese Arbeit wurde mit langzeitarbeitslosen Hartz IV–Empfängern (1 Euro / Std.) ausgeführt. Alles ungelernte Kräfte, die in dieser ganzen Zeit ständig von unserem 2.Vorsitzenden Albert Haag eingewiesen werden mussten. Eine schwierige Arbeit, zumal es alles Facharbeit war. Der recht schiefe Boden wurde ausgebleit und mit Holzrippen belegt. Darauf kam dann ein neuer Holz-fußboden. Unter den Ziegeln wurde eine Pressplatte verlegt, dass bei Undichtigkeiten kein Wasser in die Isolierung eindringen kann. Das gesamte Dach wurde voll isoliert. Darunter wurden Holzbretter als Deckenbelag verlegt, die zuvor in der Schule ausgebaut wurden und somit „Abfall“ waren.
Außen-u. Zwischenwände wurden mit Spanplatten verkleidet und alles weiß gestrichen. Insgesamt ca. 300 Quadratmeter Fläche. Das Material wurde von der Stadt bezahlt. Wert der Leistung durch den Verein 85.260 Euro. Materialeinsatz der Stadt, incl. Der 1-€uro- Stundenkosten = Euro 48.613.-
Die „Kathedrale“, das frühere Atelier Krieg (Tagungsraum)
Der 3- geschossige Raum erhielt auf Höhe der 2. Etage eine Zwischendecke, (Auftragsarbeit an die Fa. Haag) somit wurde der untere, immer noch zweistöckige Raum nutzbar gemacht und darüber ergab sich ein neuer Raum. Im unteren Raum wurde eine Trennwand eingezogen, um das Stuhllager zu gewinnen. Die Stühle stammen aus der Tulla-Schule. Die in der Tulla-Realschule ebenfalls ausrangierten, aber noch guten Klappsitze nebst Podesten wurden ausgebaut und in Museum wieder eingebaut. Die Untersicht der neuen Decke wurde mit schallschluckenden Platten verkleidet. Somit ergab sich der Konferenz-und Schulungsraum.
Beim darüber liegenden Raum wurden Wände und Decken ebenfalls mit Spanplatten verkleidet. Der Raum erhielt auch einen neuen Fußboden. Um Anschluss an die übrigen Räume zu bekommen, wurde ein Wanddurchbruch zum Fischereiraum geschaffen. Diese Arbeiten wurden ebenfalls mit Hartz-IV-Leuten unter der Anleitung von Herrn Haag durchgeführt. Schließlich stiftete die Firma Haag eine gebrauchte, aber gute Treppe als Aufgang zum Dachgeschoss. Die gesamte Elektroinstallation wurde auch hier von Helmut Gabelmann ehrenamtlich ausgeführt. Das Material bezahlte die Stadt.
Bilanz - Leistung statt Forderungen.
Die Lesegesellschaft investierte 125.000 DM Eigenkapital. 14.900 Arbeits- stunden wurden geleistet, (bis 2002) was einer Eigenleistung von mind. DM. 387.000 entspricht. Das Arbeitsamt stellte DM 575.000 für die Bezahlung der ABM- Kräfte zur Verfügung. Damit fielen hohe Lohnkosten weg. Die Stadt hatte das Material und einige Facharbeiten (Treppen, Decken, Fa. Haag) zu bezahlen. Seitens der Stadt wurden während der 9 Jahre Bauzeit für Material, die Treppen und den Zuschlag für die ABM- Kräfte ca. 415.000 DM. investiert. In das Dachgeschoss wurden durch Eigenleistung Euro 85.260.- investiert, Die Stadt erbrachte hierfür 48.613 Euro. Der Außenverputz ist hier nicht enthalten. Die Wertschöpfung am Gebäude, die durch unsere Arbeit erzielt wurde, wird vom Bauamt auf über 3 Millionen DM. beziffert. (ohne Dachgeschoss) Abriss und Entsorgung hätte die Stadt einige Hunderttausend gekostet, für Nichts.
Stattdessen eine hohe Wertschöpfung und kulturelle Nutzung.
Alles in Allem eine Leistung, die als Bürgerinitiative beispiellos in der Stadt und weit darüber hinaus ist. Noch nie wurde ein Gebäude dieser Größenordnung ehrenamtlich auf diese Weise hergerichtet.
Das Gebäude wäre ohne diese Initiative schwer zu finanzieren gewesen und wäre heute wohl wegen Vergammelung und Gefährdung der öffentlichen Sicherheit für viel hinausgeworfenes Geld abgerissen worden. Ein Stück sichtbare Dorfgeschichte wäre damit verschwunden. Mit diesem Museum wurde eine von allen Fachleuten als vorbildlich eingestufte Einrichtung geschaffen, die alljährlich von einigen Tausend Gästen aus der ganzen Region und darüber hinaus besucht wird. Viele Gruppen nehmen dabei auch die Gelegenheit wahr, in der Korker Gastronomie einzukehren. Für Kork ist diese große Einrichtung eine Aufwertung. Sie hebt den Ort heraus aus den übrigen Ortschaften und macht ihn zu einem Zentrum. Für die Stadt ist es eine Visitenkarte.
Es versteht sich von selbst, dass die Namen all derjenigen, welche an diesem großen Werk mitgewirkt haben, an dieser Stelle festgehalten werden, als Beispiel für eine großartige Leistung:
Helmut Schneider
Initiator des Museums und der Konzeption. Beteiligung an den gesamten Bauarbeiten, Bauüberwachung, Anleitung der ABM-Kräfte. Sammlung der gesamten Exponate und deren Restaurierung, Herstellung der Glasvitrinen und Dekoration. Leitung des Museums als erster Vorsitzender seit 1993 bis 2009
Albert Haag
Von Anfang an dabei. Er hatte die ehrenamtliche Arbeit der Baumaßnahmen fachlich begleitet. Stellte, wenn es notwendig war, seine Leute und seine Maschinen zur Verfügung. Hilfe bei der Einrichtung. Ausbau des Dachgeschosses. 2.Vorsitzender seit 1993. Mitarbeiter bei der Museums-überwachung.
Walter Tischler
Er war von der ersten Stunde an bei den Bauarbeiten, sowie bei der Restaurierung und der Präsentation der Exponate dabei. Mitarbeiter bei der Museumsüberwachung. Fotodokumentation der gesamten Bauarbeiten und des Geschehens im Museum.
Helmut Roth
Von Anfang an dabei. Mithilfe bei den Bauarbeiten und der Einrichtung des Museums. Mitarbeiter bei der Museumsüberwachung. Schatzmeister.
Helmut Gabelmann
Als Elektromeister, plante und installierte er ehrenamtlich die gesamte sehr umfangreiche Elektroinstallation einschließlich der Beleuchtungen.
Dieter Waldmann Kehl
Er hat uns die gesamten neuen Holzfußböden zeitaufwendig kostenlos abgeschliffen und behandelt.
Finanzielle Unterstützung erhielten wir von:
Dr. August Brandau, Georg de Frenes, Hans Lubberger, Zahnärzte Dr. Hörterer,
Zimmerer- Innung Kehl- Hanauerland, Bäckerinnung Kehl- Hanauerland, Schlosser- Innung, Stinnes- Baumärkte, EnBW- Elektrizitätswerke, Faulhaber u. Truttenbach Kehl, Sparkasse Hanauerland, Volksbank Bühl, Weber- Haus mit Sachspenden, sowie unzählige Privatleute mit kleineren Spenden.
Die Stadt Kehl
Seitens der Stadt wurden wir unterstützt vom Gemeinderat, von Oberbürgermeister Prößdorf, der seine Einwilligung zum Ausbau und zur Gesamtnutzung des Gebäudes gab und uns trotz aller Probleme vertraute und Fürsprecher unserer Arbeit war. Bürgermeister Jörg Armbruster Er war ein großer Förderer unserer Arbeit. Er ermöglichte die über 9 Jahre laufende ABM- Maßnahme und die dafür erforderliche finanzielle Beteiligung durch die Stadt als Hilfe zur Selbsthilfe, ihm sind wir zu besonderem Dank verpflichtet.
Friedhelm Münde
Als Leiter des Hochbauamtes stand er uns über all die Jahre mit seinem fachlichen Rat für alle Fragen zur Verfügung. Er ebnete uns manchen Weg.
Karl Kirrmann, Statiker und Freund. Er hatte die Aufgabe, die manchmal dürftige statische Gegebenheit des Gebäudes auf einen vertretbaren Stand und mit unseren Wünschen in Einklang zu bringen.
Oberbürgermeister Dr. Petry
Seit seinem Amtsantritt hat auch er uns unterstützt. Der Hof wurde auf seine Initiative hin gepflastert, damit die vielen Besucher das Gebäude trockenen Fußes erreichen konnten. Das Haus wurde neu verputzt. Ohne das Zusammenwirken aller genannten Leute wäre so ein großes Werk nicht zu bewerkstelligen gewesen.
Dank auch unseren 20 ABM-Kräften, die wir während dieser 9 Jahre bei uns hatten und die gute Arbeit für uns geleistet haben. Aufgrund ihrer Leistung und unserer Fürsprache konnten 10 Mann wieder eine Dauerstellung erhalten.
Dank an die beiden Hartz-IV-Empfänger (1 Euro-Job) die uns beim Ausbau des Dachgeschosses mit Fleiß unterstützt haben.
Dem Arbeitsamt
Ohne die über 9 Jahre laufende Unterstützung mit ABM- Kräften und deren Bezahlung, die am Ende eine hohe Summe von fast 575.000 Dm ergab, und einem Gebäude unseres Dorfes zugutekam, wäre unsere Arbeit nicht möglich gewesen.
Allen Mitarbeitern die sich selbstlos über die ganzen Jahre ehrenamtlich eingesetzt und die Baumaßnahme durch körperlichen Einsatz möglich gemacht haben und es noch immer allsonntäglich tun, um dieses große Werk zu schaffen. Dabei ist etwas entstanden, das in der Stadt und weit darüber hinaus, in der ganzen Region, als Bürgerinitiative einmalig ist. Darauf sind wir stolz. Der Kulturpreis des Ortenaukreises, 1999 verliehen durch den Kreistag, war die Anerkennung, die wir dafür erhielten.
Quelle: Lebenserinnerungen Helmut Schneider, Selbstverlag, 2009/2010
Helmut Schneider:
Rückblick
auf 15 Jahre Arbeit im Museum und 15 Jahre Vorstandschaft.
Rede am Ende meiner Vorstandschaft (Frühjahr 2009)
Liebe Mitglieder, verehrte Damen und Herren!
Es gilt nun, am Ende meiner 15-jährigen Vorstandschaft, noch einmal Rückblick zu halten über alles was war und wie es dazu gekommen ist.
Nach 34 Jahren Arbeit im Hanauer Museum Kehl, ab 1956, war meine Energie als Neurentner noch groß genug, um 1993 etwas Neues zu beginnen. Es sollte auch wieder ein Museum sein, ich hatte ja in all diesen Jahren mit Einrichtung, Leitung und auch im Umgang mit Publikum genug museumsdidaktische Erfahrung sammeln können; doch dieses Mal wollte ich es in Kork machen, denn solche Einrichtungen bringen ja immer eine gewisse Zentralität für einen Ort mit sich. Es gab dort auch Räume, die sich anboten. Dies war der Vater des Gedankens.
Bürgermeister Armbruster bot für dieses Vorhaben, mit Unterstützung von OB Prößdorf, die alte Essigfabrik an. Sie war damals allerdings eine fast 30 Jahre leerstehende Bauruine mit Dach, stellenweise auch schon ohne Dach. Man hatte es nach dem Absturz des Storchennestes einfach nicht mehr gedeckt. Das Gebäude wurde in Kork immer als Abrißkandidat gehandelt. Der Stadt Kehl, als „Erbin“ dieses unter Denkmalschutz stehenden massiven Gebäudes, bereitete es jahrelange Sorgen. An einen Verkauf oder Vermietung in diesem Zustand war nicht zu denken. Eine Instandsetzung durch Firmen hätte die Stadt Millionen gekostet und als Vereinsheim zum Selbstausbau war es aus obigen Gründen nicht angenommen worden.
„Aber es wird etwas von Euch abverlangt werden“ war damals der unvergeßliche Satz von Bürgermeister Armbruster als er uns dieses Gebäude anbot. Dass sich allein die Restaurierung dieses Riesengebäudes, von der Ruine zum heutigen Zustand, zu einer 10-jährigen Baustelle mit Vollzeitbeschäftigung, von morgens bis abends, entwickeln würde, wusste damals noch keiner. Für diese verrückte Idee dann auch noch Mitstreiter für die zu erwartende Riesenarbeit zu finden, war schon ein Wunder.
Es waren dies Albert Haag, Walter Tischler, Helmut Roth, Helmut Gabelmann als Kernmannschaft und vor allem Sie, meine Damen und Herren als zahlende und unterstützende Mitglieder für den damals wieder neu ins Leben gerufenen Verein, die Lesegesellschaft Kork 1821 e.V. als rechtlichem Träger. Auch den Gründern des Vereins sei hier herzlich gedankt. Dies war nun ein tragfähiges Fundament, mit dem wir beginnen konnten. Es wurde zunächst entrümpelt, das Gebäude war ja total vermüllt, dann gebaut und die Exponate gesammelt, restauriert und eingerichtet. Es stehen heute ca. 180 Vitrinen in unserem Museum und insgesamt 17 Abteilungen, eine einmalige Sammlung.
In diesen 10 Jahren beschäftigten wir insgesamt 20 Arbeitslose, sogenannte ABM-Kräfte, mit wenig oder ohne Fachkenntnisse. Es war damals eine Maßnahme des Staates, um Arbeitslose von der Straße zu holen. Eine ständige Präsenz zur Überwachung und Anleitung war notwendig, aber guter Wille bei den Leuten war vorhanden. Das Arbeitsamt zahlte 75 Prozent ihrer Löhne, den restlichen Prozentsatz legte die Stadt drauf. So konnte das Gebäude gerettet und in Topform gebracht werden. OB Dr. Petry sorgte dafür, dass die alte Pflasterung wieder in den Hof kam und es auch noch äußerlich verputzt wurde.
Ohne überheblich zu sein kann man sagen, dass dies, vom Umfang der Arbeit und von der Zeitdauer her, eine in der Stadt noch nie da gewesene Bürgerinitiative im Ehrenamt war
Diese jahrelange Baustelle bedeutete allerdings für mich, als den Urheber, in all diesen Jahren nicht mehr und nicht weniger als den Verzicht auf alles andere, auf meine Hobbys, Urlaub und die Pflege von alten Freundschaften. Was dies für mich, als Alleinstehenden heißt, merke ich erst jetzt.
Vorzeigbare Erfolge erzeugen beileibe nicht nur eitel Sonnenschein. Es gab während dieser Zeit auch Unerfreuliches, von Neid bis zu leichtfertig ausgesprochenen Behauptungen, und die Reduzierung unserer Arbeit auf den reinen Kostenfaktor. Solcherlei Dinge ließen manchmal die Frage aufkommen, nach dem Warum all dieser Anstrengungen hier in Kork und für Kork. Immerhin ist diese Arbeit mein letzter Lebensabschnitt, in dem mir noch zu wirken vergönnt war.
Trotz allem hat sich das Museum inzwischen zu einer Institution entwickelt, die in der ganzen Region, und weit darüber hinaus, auch von Fachleuten als vorbildlich anerkannt und geschätzt wird, da alles in einem Zusammenhang steht und nicht zum Sammelsurium wurde. Das Hand- werksmuseum in Kork ist ein Faktor geworden. Dies ist leider hier noch nicht überall ange- kommen, besonders nicht bei den „Offiziellen“ der Ortschaft. Sie haben es kaum beachtet.
Lassen Sie mich nun noch etwas Statistik aufzeigen.
In den nunmehr 15 Jahren unseres Bestehens hatten wir rund 44.000 Besucher, in den Anfangsjahren natürlich weniger. Das ergibt im Jahrsschnitt rechnerisch 2933 Besucher jährlich incl. der Gruppen. Würde ich nur die letzten 7 Jahre zugrunde legen, so ergäbe sich ein Schnitt von 3400 Besuchern jährlich. Im vergangenen Jahr 2008 hatten wir 3700 Besucher. Dies sind erfreuliche Zahlen, meine Damen und Herren. Steigende Tendenz kann nicht jedes Museum vorweisen.
In den letzten 15 Jahren hatten wir ca. 795 Besuchergruppen, auch hier anfangs weniger. Dies sind rechnerisch 53 Gruppen pro Jahr. Legen wir die letzten 7 Jahre zugrunde, so ergeben sich 70 Gruppen pro Jahr. Im Jahr 2008 waren es 74 Gruppen. incl. der Schulen. Auch hier also eine erfreuliche Entwicklung. Alle Gruppen wurden fachlich, entsprechend ihrer Wünsche und Ansprüche durch das Museum geführt.
Was nicht in die Museumsbilanz eingegangen ist, sind die zusätzlichen Dorfführungen für viele Gruppen, die teilweise den Aufenthalt in Kork auch zu einem Besuch in einer unseren Gaststätten genutzt haben. Kork hat mit dem Museum Zentralität gewonnen. Wir sind ja kein Kurort wo man bei Regenwetter halt das Museum besucht, sondern unsere Besucher und Gruppen kommen wegen des Museums.
In den letzten 15 Jahren hatten wir 218 Schulen zu Besuch. Dies sind rechnerisch 14,5 Schulen pro Jahr. Legen wir wiederum die letzten 7 Jahre zugrunde, so hatten wir 112 Schulen. Dies ergibt 16 Schulen pro Jahr. Im Jahr 2008 hatten wir 21 Schulen im Museum. Also auch hier eine Steigerung. Zu den treuesten Besuchern gehören 2 Offenburger Gymnasien und die Pädagogische Hochschule Karlsruhe. Letztere mindestens 2 mal jährlich, mit hohem Anspruch an uns, im Blick auf Entwicklungs- und Sozialgeschichte der Berufsbilder. Das Museum als Lernort für Studenten.
Gruppen und Schulen kommen wochentags und werden alle geführt. Dies ergibt bei 70 Gruppen im Jahresdurchnitt x 2,5 Stunden = 175 Stunden jährlich. In 15 Jahren ergeben sich so 2625 Stunden.
Die Gruppen sind es übrigens auch, die uns gute finanzielle Einnahmen bringen. Bestandteil dieses Erfolgs sind aber auch die regelmäßigen Öffnungszeiten am Sonntag. Sie werden von jeweils zwei Personen unserer Mitglieder überwacht. Legen wir 52 Sonntage zugrunde, so ergeben sich bei 3 Stunden Öffnung 312 Stunden jährlich, in 15 Jahren 4680 Stunden, die von Ihnen, unseren Mitgliedern geleistet wurden, ohne einen persönlichen Gewinn oder Nutzen daraus ziehen zu können. Dies ist Ehrenamt im besten Sinne des Wortes und verdient hohe Anerkennung.
Es wurden in den vergangenen 15 Jahren insgesamt 24 Sonderausstellungen zu allen möglichen Themen veranstaltet, sowohl fachbezogene als auch künstlerische.
Dazu kamen 15 grenzüberschreitende Ausstellungen, an denen mir besonders gelegen war, aufgrund der bitteren Kriegs- und Nachkriegsgeschichte, die ich ja erlebt habe. Sie brachten viele Menschen und Gruppen aus dem Elsaß in unser Museum und nach Kork. Man konnte viele Gespräche dabei führen und große Gemeinsamkeiten dabei entdecken. Insgesamt waren es also in diesen 15 Jahren 39 Ausstellungen. ein Kulturprogramm, das die öffentliche Hand nichts kostete.
Das Museumsgebäude erhielt auch ein kunstgeschmiedetes Schild, von Klaus Boschert und mir hergestellt, Wert ca.10000 Euro.
Ein besonderes Glanzlicht war der Kabarettabend mit Dinah Faust, der Grande Dame des Straßburger Kabarett Barabli, die einiges aus 60 Jahren Barabli zu Gehör brachte. Nur schade, dass uns die Zeitung mit unserem Vorbericht bis auf den letzten Tag einfach sitzen ließ und die Besucherzahl darunter litt.
Ich glaube, Meine Damen und Herren, dies ist insgesamt eine Bilanz die sich sehen lassen kann und mich hoffen läßt, daß ich nicht als Faulpelz in die Vereingeschichte eingehe Ich danke den Mitarbeitern und Ihnen, die diese Wegstrecke mit mir gegangen sind und mich so lange ertragen haben und ich danke besonders dafür verehrte Mitglieder, dass Sie uns bis heute die Treue gehalten haben.
Großer Dank gebührt nicht zuletzt auch der Stadt Kehl, dem Bauamt für technischen Rat und Hilfe beim Bau, dem Gemeinderat, und Herrn Oberbürgermeister Dr. Petry, dass sie uns die erforderlichen Mittel zum Einkauf der Materialien bewilligt haben, als Hilfe zur Selbsthilfe. Alle waren stets verläßliche Partner.
Angefügt sei hier noch der Ausbau des Kellers zum Jugendzentrum. Um ihn einer genehmigungsfähigen Nutzung zuführen zu können, waren ganzflächig 70 Zentimeter Boden auszuheben, damit die vorgeschriebene Raumhöhe erreicht wurde. Die 60 cm dicken Fundamente des Gebäudes, die dadurch nicht mehr tief genug waren, mußten deswegen auf insgesamt 44 Metern Länge, je meterweise, auf erforderliche Sohlentiefe untergraben, verschalt und neu betoniert werden.
Dazu waren etwa 120 Kubikmeter Erdreich von Hand hochzuschaffen. 35 Tonnen Kies und 191 Sack Zement wurden zu Beton verarbeitet und mussten mit 485 Schubkarrenladungen ebenfalls von Hand in den Keller geschafft werden. Die beiden Gebäude-Stützpfeiler erhielten auch neue, tragfähigere Fundamente. Diese Arbeit, die nichts mit dem Museum zu tun hatte, und aus freiem Willen geleistet wurde, hat unsere ABM-Kräfte und Mitarbeiter, einschließlich des Innenausbaus, das ganze Jahr 1997 beschäftigt. ehrenamtlich wohlgemerkt. Kork bekam aber immerhin damit ein Zentrum, in dem Jugendliche betreut werden können, die nicht einem Verein angehören.
Es war für mich Hilfe auf Gegenseitigkeit. Wir wollten uns auch der Stadt gegenüber für alle Hilfe erkenntlich zeigen. Die Stadt ist jetzt allerdings auch die Sorge los, die eine unter Denkmalschutz stehende Ruine bereitet hat. Das Gebäude hat nun die denkbar beste Aufgabe, durch volle und öffentliche Nutzung und das Museum damit ein Gebäude, wie es in der Region und weit darüber hinaus nicht zu finden ist.
Helmut Schneider 15.2.2009
